Schlagwort-Archive: unkompliziert

Grünkohl – Wintergemüse bringt Struktur in den Garten

Kohl gehört nicht gerade zu meinem bevorzugten Gemüse – zumindest nicht in der Küche. Aber als Strukturgeber im Garten macht er sich prächtig. Es lohnt sich die verschieden Sorten anzuschauen: den  eigentlichen Grünkohl mit seinen gekräuselten Blättern (Brassica oleracea convar. acephala var. sabellica) sowie die auch als Palmkohl bezeichneten Sorten Schwarzkohl Cavolo Nero (Brassica oleracea convar. acephala var. viridis) und den fast glattblättrigen Red Russian (Brassica napus var. pabularia). Im hinteren Bereich eines Beetes macht er als markanten Blickfang vom Sommer bis in den tiefsten Winter eine gute Figur.

Grünkohl im Schnee

Grünkohl braucht zwar relativ nährstoffreichen und eigentlich durchlässigen Boden. Bei mir gedeiht er trotz relativ dichtem Lehmboden. Das schönste ist: Er benötigt kaum Pflege und erreicht wenn früh ausgepflanzt und optimal versorgt, eine stattliche Höhe von bis zu 1.20 m. Man sollte ihm entsprechend mindestens 50 cm2 Platz geben. Weil er alles um ihn herum in den Schatten stellt, kombiniert man ihn am besten mit Pflanzen, die nicht soviel Licht benötigen wie Mangold.

Erntezeit ist generell von Oktober bis Februar. Oft heißt es, er schmecke erst richtig gut nach dem ersten Frost. Doch es kommt im eigenen Anbau nicht auf den Frost an sondern auf die späte Ernte und kühleren Temperaturen an. Der reife Grünkohl enthält kaum noch Stärke, bildet durch die weiterhin ablaufende Photosynthese der lebenden Pflanze jedoch noch Traubenzucker. Wegen den geringeren Temperaturen ist der Stoffwechsel eingeschränkt, der Traubenzucker wird somit nicht gebraucht und deshalb in den Blättern gespeichert. Imitieren kann man den Effekt deshalb nicht durch Einfrieren des geernteten Gemüses. In der industriellen Landwirtschaft werden Sorten verwendet, die von vorne herein einen höheren Zuckeranteil besitzen und für ein ähnlich wohlschmeckendes Erlebnis deshalb früher geerntet werden können. Ab -10°C erfriert aber auch der Grünkohl – also auf jeden Fall rechtzeitig vor strengem Frost ernten!

Wer den Grünkohl nicht komplett erntet und ihn im zweiten Jahr blühen lässt, kann Samen sammeln oder ihn sich selbst aussäen lassen. Grünkohl funktioniert auch als Solitär im Topf.

Jungpflanzen schützt man am besten vor Schnecken, größere Pflanzen vertragen einige Mitessende. Grüne Raupen sind zwar schwer zu entdecken, verraten sich aber durch ihren schwarzen Kot – man sammelt sie einfach ab. Ein echter Plagegeist ist in manchen Jahren die Weiße Fliege. Wer den Grünkohl auf jeden Fall verspeisen möchte, greift zum Gemüsenetz. Da ich hauptsächlich auf den dekorativen Effekt des Kohls aus bin, nehme ich’s wie’s kommt. Frei nach dem Motto: Leben und leben lassen.

Verwendung in der Küche
Grünkohl schmeckt in Suppen und Eintöpfen oder als Pfannengemüse mit Butter oder Parmesan. Etwa drei Wochen alte Keimpflänzchen, sogenannte Microgreens, oder sehr junge Blätter schmecken auch roh und sehr aromatisch in Salaten oder direkt auf Brot. Wer Lust auf echten Knusper-Spaß hat, verknetet sie mit Öl, breitet sie auf ein Backblech aus und schiebt sie bei ca. 150 °C für etwa 15 min in den heißen Ofen bis die Ränder leicht gebräunt sind. Leicht gesalzen erhält man so die wohl gesündesten Chips der Welt.

Topinambur – Sichtschutz und Kartoffelersatz

Topinambur ist klasse. Man kann ihn als attraktiven Sichtschutz nutzen und die Knollen essen – sofern man das Glück hat Topinambur zu vertragen. (Wenn nicht, merkt man das sehr schnell an Blähungen.) Die turmhohen Stängel blühen ähnlich wie kleine Sonnenblumen und sofern man die Knollen nicht komplett erntet,  treibt die Staude jedes Jahr neu aus.

Wer Topinambur selber anbauen möchte, kann einfach die Knollen von der Gemüse-Theke nehmen – am besten aus dem Biomarkt . Im Spätwinter oder zeitigem Frühling (März bis April) mit etwa 30 cm Abstand 10 cm tief stecken. Topinambur gedeiht in jedem zuvor gelockerten Boden sofern er nicht zu schwer oder nass ist. Er ist recht anspruchslos, aber dankbar für eine Kompostgabe von ca. 3 l/m³ und ausreichend Wasser bei Trockenheit zwischen Juni und Oktober. Ideal ist ein warmer und sonniger Standort mit kalkhaltigem, lockerem Boden.

Topinamber - Knollen an der Pflanze
Frisch aus dem Boden gezogene Topinambur-Knollen. Den Regenwürmern gefällt es ganz offensichtlich – nicht verwunderlich, dass Topinambur ähnlich wie Kartoffeln einen guten „garen“ Boden hinterlässt.

Ernten kann man Topinambur (Helianthus tuberosus) sobald das Laub abgestorben ist und den ganzen Winter durch ganz nach Bedarf. Sogar strenger Frost bis ca. -30 °C kann den Knollen nichts anhaben und so lässt man sie am besten Ort und Stelle – im Boden bleiben sie am längsten frisch. Hilfreich ist es die Stelle zu markieren, denn bald sieht man oberirdisch nicht mehr viel von ihnen. Praktischerweise lässt man beim Zurückschneiden die Stängel auf 30 cm Höhe stehen. Selbst bei gründlicher Ernte bleiben meist genug kleine Knollen übrig für einen neuen Austrieb im folgenden Jahr. Wer Wühlmäuse hat, pflanzt die Knollen zum Schutz in Drahtkörben, Gittertöpfen oder Körben mit 15 mm Maschenweite.

Topinambur
Im Vordergrund eine aus dem Boden gezogene Topinambur-Pflanze mit Knollen. Dahinter die Topinambur-Hecke, die sich gegen die starke Konkurrenz der dreijährigen Ligusterhecke wacker hält.

Die mehrjährige, winterharte Staude wird je nach Sorte bis zu 3 m hoch. Optimal versorgt bildet Topinambur dichte grüne Hecken, die auch einen guten Windschutz bieten. Von August bis November trägt sie bis zu 10 cm große, gelbe Blüten. Sie ist mit der Sonnenblume (Helianthus annuus) eng verwandt und gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). Unterirdisch verbreitet sich Topinambur durch Ausläufer, an denen ab dem Hochsommer Knollen entstehen.

Einige weitere Namen für Topinambur sind Erd-Artischoke, Erd-Apfel oder -Birne, Jerusalem-Artischoke und Indianerknolle. Noch mehr Namen führt Wikipedia auf.

Verwendung in der Küche
Die Knollen können  ungeschält fein geraspelt roh oder als Gemüse gekocht verspeist werden. Sie haben einen feinen, nussartigen Geschmack. Sie sind Reich an Eiweiß, Vitaminen (Carotin) und Mineralien und somit ein ideales Wintergemüse für Selbstversorger.  Besonders wertvoll sind sie  für Diabetiker, da der Mehrfach-Fruchtzucker Inulin ohne Hilfe von Insulin im Organismus abgebaut wird.