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Rhabarber – das Obst, das ein Gemüse ist

Rhabarber ist eine ausdauernde Staude:  Einmal gepflanzt kann man gut bis zu  7 Jahre lang ernten. Eine wahre Freude ohne viel Zutun unsererseits. Das Knöterichgewächs (PolygonaceaeRhabarber (Rheum Rhabarbarum) bereiten wir wie Obst zu, botanisch gehört er jedoch zu den Gemüsen.

Rhabarber selber aus Samen ziehen geht. Einfacher geht’s mit gekauften Pflänzchen oder ein geschenktes Teilstück eines lieben Gärtners – oder natürlich einer netten Gärtnerin. Eingepflanzt in tiefgründige, nährstoffreiche, Feuchtigkeit gut haltende Erde braucht die Staude Rhabarber in den folgenden Jahren nur eine gute Portion Kompost nach der Ernte. Mulchen ist empfehlenswert – wie immer;)

Rhabarber wächst wunderbar auch in kühlem Klima, ist frosthart und mag sowohl Halbschatten zum Beispiel unter Obstbäumen wie auch die pralle Sonne. Gepflanzt wird im Frühling oder Herbst mit einem Meter Abstand. Bis der Rhabarber ausgewachsen ist, kann man gut Salat oder Spinat dazwischen wachsen lassen. Am besten etwas in den Hintergrund pflanzen, da die Staude sehr groß werden kann und im Spätsommer die riesigen Blätter oft braun werden. Neue Pflanzen lässt man das erste Jahr in Ruhe wachsen.

Frühe Ernte und schnelles Wachstem erreicht man durch sogenanntes Treiben: Im Frühling über die ersten Triebknospen einen Eimer stülpen. Ich bedecke die Pflanze vorher noch mit grobem halbreifen Kompost. Achtung immer mal nachschauen damit es euch nicht so geht wie mir: Die Blätter sind am schwarzen Eimerrand angestoßen und verbrannt.  War aber nicht so schlimm. Am 10. Mai konnte ich die ersten 700 g Rhabarber-Stängel meiner dreijährigen Pflanze ernten.

Die erste Ernte ist im Jahr nach der Pflanzung damit der Rhabarber gut einwächst und Kraft holt. Zur Ernte dreht man die Stängel  am Wurzelhals ab und nimmt immer nur einen Teil. Die Pflanze soll ja weiter wachsen. Ich schneide die Blätter vor Ort ab und nutze sie sogleich als Mulch für den Rhabarber. Bis Ende Juni/Anfang Juli kann man ernten. Ab August beginnt die Ruhephase des Rhabarbers.

Verwendung in der Küche

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Rhabarber geschält und klein geschnitten

Die roten Stängel waschen und die Enden entfernen. Wer es etwas milder mag, zieht gleich die Schale mit ab.  Die Stangen sind als Kompott oder als Zutat zu Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre lecker. Klassisch ist der Rhabarberkuchen.

Rhabarber ist gesund mit vielen Fruchtsäuren und Vitamin C. Er enthält aber auch viel Oxalsäure (460 mg pro 100 g), dass gerne eine Verbindung mit Kalzium, Eisen und Magnesium  eingeht – und deshalb auch schon als „Kalziumräuber“ bekannt ist. Am besten kalziumhaltige Lebensmittel, z.B. Milchprodukte, gleichzeitig verzehren. Da die Resorption (Aufnahme) von Eisen durch hohe Mengen Oxalsäure beeinträchtigt wird, sollte Eisen separat zugeführt werden. Den Oxalsäuregehalt reduziert man durch blanchieren und verwerfen des Kochwassers. Generell gilt vor allem für Kinder und Menschen mit Neigung zu Nierensteinen: in Maßen genießen.

Das pelzige oder stumpfe Gefühl auf den Zähnen rührt auch von der Oxalsäure her. Der Zahnschmelz wird aufgeraut; deshalb frühestens eine halbe Stunde nach Verzehr Zähne putzen. Das gilt aber auch für Äpfel.

Wer eine Spezialität ausprobieren möchte, kann die dicken, geschlossenen Blütenknospen wie Brokkoli dünsten.

 

Das beste Erbeerkonfitüre-Rezept

Wer hat das beste Rezept für Erdbeerkonfitüre – oder für  Erdbeermarmelade, wie wir es früher nannten?

In Deutschland ist die offizielle Bezeichnung Marmelade für Fruchtaufstriche mit Zitrusfrüchten reserviert. Für mich zwar nicht ganz einleuchtend, da das Wort Marmelade sich von „marmelo“ ableitet – das  portugiesische Wort für das Rosengewächs Quitte. Die Bezeichnung Konfitüre gefällt mir aber, und so nenne ich meine Fruchtaufstriche von nun an Konfitüren.

Meine reiche Bio-Erdbeerernte war bereits auf  7,7 kg im Mai 2015 angewachsen. Bisher hatte ich mit bereitwilliger Unterstützung meiner 3 Jungs die süßen Leckereien direkt vernaschst.

Erdbeerernte-1-2
Erdbeerernte

Doch nach vielen, vielen Erdbeeren mit Sahne, Erdbeer-Smoothies,  -Saucen und dann noch Erdbeer-Eis und -Sorbet gab es dieses Jahr immer noch jede Menge Erdbeeren. Ein Novum für uns –  dieses Jahr sollte es zum ersten Mal eigene Erdbeermarmelade bzw. Erdbeerkonfitüre geben. Doch nach welchem Rezept?

Ich habe letzte Woche fünf verschiedene Erdbeermarmelade- bzw. Erdbeerkonfitüre-Rezepte ausprobiert. Ich wollte möglichst Erdbeere pur;  die Kids lieber Zuckersüß. Und es sollten vorrangig Bio-Zutaten mit meinen Bio-Erdbeeren sowie alternative Geliermittel ins Glas wandern. Ach, und ein Teil meiner Rhabarberernte sollte auch dabei sein.

Die ersten beiden Erdbeerkonfitüren sind mit ganz wenig Zucker und  mit einem alternativen Geliermittel gekocht. (Nachteil: Erdbeerkonfitüre sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden, Vorteil: besonders fruchtig und eben wenig Zucker):

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Von links nach rechts: Erdbeerkonfitüren Nummer 3, 2 und 4

Nummer 1 – Erdbeerkonfitüre mit wenig Ahornsirup und Agar Agar 5:1

500 g  Erdbeeren
100 g  Ahornsirup
1,5 TL  Agar Agar
1 TL Zitronensaft

Nummer 2 – Erdbeerkonfitüre mit wenig Rohrohrzucker und Agar Agar 5:1

500 g  Erdbeeren
100 g Rohrohrzucker
1 TL  Agar Agar
1 TL Zitronensaft

Ins dritte Rezept wanderte auch ein Teil der Rhabarberernte:

Nummer 3 – Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre mit wenig Bio-Gelierzucker (Alnatura) und Vanille, etwa 2,4:1

700 g Erdbeeren
500 g  Rhabarber
500 g Gelierzucker
1 Saft einer Bio-Zitrone
1 Mark einer Vanilleschote

 

Das vierte Rezept: Mal ganz ohne kochen. 

Nummer 4 – kalt gerührte pürierte Erdbeerkonfitüre mit Johannisbrotmehl, etwa 2,5:1

250 g Erdbeeren
100 g ganz feinem (herkömmlichen Süd)Zucker
1/2 TL Johannisbrotmehl
1 TL Zitronensaft

Nummer 5 = Nummer 2 in süßer Variante mit mehr Zucker für die Kids und „restlichen“  Erdbeeren, Rohrohrzucker und Agar Agar, fast 2,5:1

620 g  Erdbeeren
250 g Rohrohrzucker
1 TL  Agar Agar
2 TL Zitronensaft

Geschmackstest im Vergleich und Beurteilung folgt;-)

Vorab schon mal: Konfitüre mit Agar Agar geliert stärker zeitverzögert.

 

Drosophilia suzukii macht sich über Himbeeren her

Riesen-Himbeere
Herbst-Himbeere Pokusa

Endlich wuchsen die Herbst-Himbeeren richtig an, trieben kräftig aus  – und  schürten die große Hoffnung. Vielversprechend blühten sie auf und setzen wunderbare Früchte an. Die ersten süßen Beeren naschten wir direkt vom Strauch – ein Hochgenuss. Am 4. September ernteten wir das allererste 250 g-Schälchen.

Und dann kam Drosophilia suzukii. Erst unbemerkt. Aber kaum 15 Tage nach der ersten gescheiten Menge Himbeeren fielen mir merkwürdig überreif anmutenden Beeren auf. Dabei erntete ich fast jeden Tag. Bei näherer Betrachtung entdeckte ich winzige weiße Maden in den reiferen roten Früchten. Was war das nur? Der Himbeerkäfer soll ja nur an den Sommer-Himbeeren auftreten. Ob der milde Winter 2013 alles durcheinander gebracht hat?

Made in der gerade gereiften Himbeere – sorry, die Made ist unscharf (wollte sie wohl nicht wirklich sehen:-)

Egal. Meine Devise: Retten was zu retten war. Ganz schnell die intakten Beeren ernten – dachte ich. Aber waren sie wirklich noch nicht befallen? Der Versuch sollte Aufklärung bringen: Drei der allerschönsten, festen und gerade eben ausgereiften Beeren wanderten in ein Glas mit Schraubverschluss. Ein Funken Hoffnung blieb. Ganze 2 kg Ernte  hatte ich bis zum 19. September gesichert und die drei Sträucher hingen voll – der Herbst war noch lang. Und dann sah ich im Glas die Maden, beobachtete ihre Verpuppung und schließlich die Flüge. Das war’s dann. Der gesamten Familie war nun Appetit vergangen.

Was war das für eine Plage? Ich wollte es wissen, holte professionellen Rat ein und erfuhr:  Die Himbeeren  waren von den Larven der sogenannten Kirschessigfliege (Drosophilia suzukii ) befallen. Sie sieht fast genauso aus wie die Fruchtfliege (Drosophilia melanogaster), die man sich oft beim Obst-Einkauf einschleppt aber dafür nur überreife, faulende und damit schon ungenießbarere Früchte zur Eiablage nutzt.

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Nahaufnahme Drosophilia suzukii auf der Herbst-Himbeere Pokusa

Drosophilia suzukii wurde vor drei Jahren erstmalig in Deutschland gesichtet und hat sich 2014 vermutlich aufgrund der milden Temperaturen im vergangenen Winter drastisch vermehrt und ausgebreitet.

Leider weiß man in Fachkreisen noch nicht allzuviel über die Vermehrung und Überwinterung. Was man bisher weiß, ist hier  zu finden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die befallenen Früchte in verschlossenen Plastiktüten in der Restmülltonne entsorgt werden, um die Weiterverbreitung zu verhindern. Leider habe ich das zu spät erfahren – einige der ersten Früchte sind in meinem Komposter gelandet.

Die Pflanzenschutzämter sind sehr daran interessiert, den momentanen Verbreitungsstatus der Kirschessigfliege zu erfahren. Bei professionellem Anbau und Befall besteht sogar Meldepflicht. Privatpersonen müssen nicht aktiv werden – es ist allerdings hilfreich, wenn sie mithelfen die Ausbreitung des Schädlings zu verfolgen. Dazu kann man sich auf der Website des Julius-Kühn-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Pflanzengesundheit, ein Melde-Formular zum Ausfüllen runterladen. Wenn man mithelfen will, sendet man es dieses an die für das eigene Bundesland zuständige Landesbehörde. Leider sind die Kontaktstellen nicht leicht zu finden: hier der direkte Link zur Liste.